Buchtipp: "
Trockenzeit nüchtern betrachtet" von Heike Burmester.
Liebe Sandra, Di wirst Dich dort sicher zum Teil selbst wieder finden und daran glauben können; DU BIST NICHT ALLEIN!
Gruss Bea
Erstellt von: Beate Lenz am 02.10.2009 20:30
Antwort
Ersteinmal zum Thema, damit behinderte Menschen in der öffentlichkeit akzeptiert werden, müssen sich viele Menschen grundlegend ändern. Denn oft ist das einfach die Abneigung vor dem Unbekannten verhalten.
Zum Thema Sucht kann ich viel sagen. Ich war selber jahre abhängig und weiß wie schwer es ist zurück ins Leben zu finden und dort akzeptiert zu werden. Es wird immer und immer wieder auf das alte Verhalten rum gehackt. Man wird wie ein Schwerverbrecher behandelt."Alle die drogen nehmen, klauen doch". Jedoch haben das nicht alle nötig. Klar, macht man sachen die nicht richtig sind aber man tut es nicht um anderen zu schaden, sondern weil der Körper einen leitet. Man ist sich dem unrechten Verhalten nicht wirklich bewusst. Viele Menschen haben von sowas keine Ahnung. Alleine Arbeit zu finden, wenn man vom Arbeitsamt in eine Schublade gepackt wurde, ist verdammt schwer. ICh bin Mutter(25) habe eine 4 Jährige Tochter und war vorher 10 Jahre Drogen abhängig. Mehr ...
... Ich bin nun ganze zwei jahre clean.....und leicht habe ich es in unserer Gesellschaft auch nicht. Aber wenn man keine Hilfen kriegt,,,kämpft man sich alleine durch. Denn gerade die Arbeitsindustrie tritt mit Füßen.
Lg Sandra
Auch hier wieder:
"Trockezeit nüchtern betrachtet"
LG Bea
Erstellt von: Beate Lenz am 02.10.2009 20:31
Antwort
Was nützen die ganzen Umfragen - "Was erwarten Menschen von sozialen Diensten und von der Gesellschaft" ? Antwort: Theorie und Praxis sollten endlich Übereinstimmung finden. Das Grundgesetz, dass die Menschenwürde unantastbar ist, wird nicht ernst genug genommen. Jeder Mensch, der soziale Dienste in Anspruch nehmen möchte, soll dies gerne tun dürfen. Genauso wichtig ist eine leistungsgerechte Bezahlung. Jeder Mensch, der im sozialen Bereich arbeiten will, soll dies auch tun dürfen und zwar mit Liebe, Verantwortung und Engagement und ohne Zeitdruck (eben durch mehr Personal !). Die wenigen Arbeitskräfte in den sozialen Einrichtungen (insbes. Pflegestufe 3), Krankenhäusern etc., sind meist überfordert. Wann begreifen dass die da oben endlich mal ???
Erstellt von: Carmen Müller am 01.03.2009 19:23
Antwort
Sehr geehrte Damen und Herren,
als Leiter einer Suchtberatungsstelle möchte ich gerne zur Einteilung der Schwerpunkte des geplanten Berichtes Stellung nehmen.
Ich halte es einerseits für nachvollziehbar, wenn dem Thema Sucht kein eigener Schwerpunkt gegeben wird. Die mir bekannte Begründung hört aber sich wie eine reflexhafte Reaktion an, die einerseits sagt, wie wichtig das Thema ist (aber bei der AWO dann doch nicht) und es kann unter dem Schwerpunkt Psychiatrie abgehandelt werden.
Ich glaube, dass die Bedeutung der Suchtproblematik für den Zusammenhalt der Gesellschaft dadurch ausgeblendet wird.
Betrachten wir die Arbeitsfelder der Suchtkrankenhilfe, finden sich Betroffene aus allen Bevölkerungsgruppen wieder. Damit berührt die Thematik alle fünf benannten Schwerpunktthemen des Berichtes.
Rauschmittelkonsum wird mittlerweile auch als ein Lösungsversuch für unlösbar erscheinende Probleme verstanden. Mehr ...
... Somit reflektiert die Situation und Zahl der Abhängigkeitskranken auch ein Stück gesellschaftlicher Problematik. Sie deutet darauf hin, wo Gesellschaft nicht mehr funktioniert. Gleichzeitg erleben wir auch, dass z.B. in der Sucht-Selbsthilfe freiwilliges Engament eine wichtige gesellschaftliche Funktion erfüllt: sie schafft Gemeinschaft und Unterstützungssysteme.
Ich würde mich freuen, wenn im Bericht daher in den einzelnen Thmenschwerpunkten diese Aspekte entsprechend aufgeführt werden.
Differenzierte und weitergehende Informationen sind bei den zahlreichen Beratungs- und Behandlungsstellen zu erhalten.
Abschließend möchte ich hinzufügen, dass ich grundsätzlich die Erstellung eines (auch selbstkritischen) Berichtes sehr begrüße. Die AWO sollte die darin liegenden Chancen nutzen, um die zu selten wahrgenommen gesellschaftlichen Realitäten etwas auszuleuchten und Orinetierungshilfen zu bieten. dabei bedeutet Selbstkritik für mich auch, Aussagen zu den teilweise hoch problematischen Rahmenbedingungen in einigen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit zu benennen.
Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Mühl
Erstellt von: Jürgen Mühl am 12.02.2009 10:48
Antwort
Was hält die Gesellschaft zusammen? oder Was bringt die Gesellschaft zusammen?
Das Institut zur Interkulturellen Öffnung der AWO Mittelrhein hat zur Aufgabe, Institutionen, Einrichtungen, Behörden in Fortbildungen und Seminaren bei ihrem Prozess der interkulturellen Orientierung/ Öffnung zu unterstützen. Das IzIKÖ ist in den verschiedensten Bereichen aktiv, u.a.: Kindertageseinrichtungen/ Familienzentren, offene und stationäre Altenhilfe, sozialpsychiatrische Versorgung, Feuerwehr, und neuerdings auch vermehrt in Migrantenselbstorganisationen. Unter interkultureller Orientierung wird viel Verschiedenes verstanden und auch erwartet. Für das IzIKÖ bedeutet der Begriff jedoch in erster Linie Sensibilisierung. Mehr ...
... Hier sehen wir die Verbindung zu der Frage, die sich die AWO zu ihrem 90-jährigen Bestehen stellt: wie sieht es mit dem eigenen Handeln, den eigenen Bildern vom Sozialen Tun, von Verantwortung aus? Im Fall der interkulturellen Fragen steht für uns im Vordergrund: Wie sieht es mit unseren eigenen Bildern von uns und von den „Anderen“, den „Fremden“, aus? Hier setzt die Sensibilisierung an: Wer glaubt, Menschen anderer Herkunft kategorisieren zu können, z.B. mit dem Ziel der Integration, ist aufgefordert, zunächst die eigene Wertegebundenheit zu entdecken. Wie grüße ich, wie handele ich, wie interpretiere ich Kommunikationssituationen, wann ist meine Reaktion vorurteilsbeladen? Es geht nicht um einen vorurteilsfreien, sondern um einen vorurteilsbewussten Umgang. Beim Aufspüren dessen, was unser Handeln leitet, entdecken wir die zumeist unhinterfragten, festgefahrenen Bilder vom „Anderen“ und schreiben ihm oft kulturelle Eigenheiten zu. In Kommunikationsmodellen wird gezeigt, wie Konflikte entstehen, wenn beide Seiten sich mit diesen festgefahrenen, oft negativ besetzten, Bildern begegnen. Aus unserer Arbeit bei der Feuerwehr gibt es eine Reihe anschaulicher Beispiele dafür, wie sich Positionen dadurch verhärten. Erst im Erkennen der Relativität der eigenen Normen kann ein Perspektivwechsel erfolgen, der für die Bandbreite an Interpretationsmöglichkeiten von Kommunikationssituationen sensibilisiert. Wie sehr jeder Mensch seine „Erfahrungen“ mit vorurteilsbeladenen Bildern bewertet und kategorisiert, wird dann deutlich. Unsere Kunden werden also, meist entgegen ihrer Erwartungen an interkulturelle Sensibilisierung, aufgefordert, sich selbst in solchen Kommunikationssituationen zu spiegeln. Das eröffnet den Raum für einen offeneren Umgang, in dem das Individuum gesehen wird; und es funktioniert auch, wie die Reaktionen der vielen Menschen, die die Unterstützung des IzIKÖ in Anspruch nehmen, zeigen.
Dieser Prozess ist aber nicht nur auf den Auftrag des IzIKÖ, Einrichtungen zu beraten, beschränkt. Ebenso betreiben wir intensiv eine Selbstreflexion unter dem Stichwort „Kollegiale Beratung“ mit allen ReferentInnen, die für das IzIKÖ arbeiten: Wie positioniert sich die/der Einzelne vor den Gruppen, welche Rolle spielt ggf. der eigene Migrationshintergrund bei der Arbeit mit Gruppen und bei den Inhalten, die in den Fortbildungen vermittelt werden. Wie positioniert sich das IzIKÖ im interkulturellen Diskurs. An diesen Fragen arbeiten wir und haben uns zum Ziel für 2009 gesetzt, verbandsintern stärker zu wirken mit der Frage: Was sind die Voraussetzungen für einen verantwortungs- und vorurteilsbewussten Umgang mit Menschen anderer Herkunft? Wir müssen über uns selbst mehr lernen als über die Adressaten der sozialen Arbeit, dann kann Integration gelingen: Unsere eigene Integration in ein Miteinander, dessen Basis nicht die monokulturelle Ausrichtung auf Seiten derer ist, die die Definitionsmacht von Normalität haben.
Erstellt von: Institut zur Interkulturellen Öffnung, AWO Mittelrhein, Susanne Schmidt am 22.01.2009 10:54
Antwort
Beim Lesen muss ich für mich feststellen, dass mir die vorliegende Zusammenfassung der Ist-Analysen recht schmal, unvollständig und einseitig erscheint. Ich möchte dies wie folgt begründen und damit zu weiteren Diskussionen anregen.
Zu starke Ausrichtung der Integrationsdebatte auf die bundesstaatliche Ebene?
Ich habe den sicheren Eindruck, hier wird verkannt, in welch großem Maß Integrationsdebatten auf den kommunalen und zum Beispiel auf der Landesebene in NRW stattfinden!
Auf beiden Ebenen werden Integrationsdebatten in letzter Zeit wie nie zuvor geführt; über und mit Einwanderern;in jüngster Zeit mit verstärkter Einbeziehung von Migrantenselbstorganisationen.
In zahlreichen Kommunen werden regelmäßig Integrationskonferenzen durchgeführt, wird an Integrationsplänen gestrickt – oftmals angeregt und gefördert durch ein vom Land NRWQ gefördertes Programm „Komm In“. Mehr ...
... Zahlreiche Bürgermeister nehmen sich in zuvor nie gekannter Form des Themas Integration an, stellen sich der Diskussion mit Einwanderergruppen, deren Vertretungen und den Wohlfahrtsverbänden.
Der CDU-Integrationsminister in NRW, Armin Laschet, spricht mittlerweile offen, regelmäßig und überzeugt vom Einwanderungsland Deutschland und versucht, seine Politik in NRW daran auszurichten. Und das nach meinem Dafürhalten mit erfolgreichen Ansätzen und Tendenzen!
Einseitige Ausrichtung der Integrationspolitik auf die Förderung der deutschen Sprache?
Die generelle Kritik in der Analyse ist von mir nicht voll und ganz nachzuvollziehen: ich kenne in den Fach- und fachpolitischen Kreisen wenige, die meinen, Integration stellt sich in allen Bereichen automatisch ein, wenn Zuwanderer nur über genügend bessere Deutschkenntnisse verfügen.
Ich erlebe im Gegenteil in den meisten Fällen eine sehr differenzierte Debatte darüber, was über die Verbesserung der Deutschkenntnisse von Einwanderern hinaus notwendig ist, um Integration zu fördern.
Ich erlebe eine sehr differenzierte Debatte über die Förderung und die Wichtigkeit der „Muttersprache“ der Einwanderer – auch im Sinne der Nützlichkeit guter muttersprachlicher Kenntnisse in Wort und Schrift für die berufliche Integration!
Ich erlebe sehr differenzierte Diskussionen um die interkulturelle Orientierung z. B. Des Gesundheitswesens oder des Elementarbereiches. Vielfältige Entwicklungen hinsichtlich der Wirtschaftsförderung für ethnische Betriebe seien als weiterer Hinweis auf ein m.E. sehr viel differenzierter sich darstellendes Bild genannt.
Integrationsförderung bislang nicht hinreichend differenziert?
Mit meinem Blick durch die nordrhein-westfälische Brille stelle ich fest, dass gerade hier versucht wird, die Vielfalt der Lebensentwürfe von Zuwanderern bei der Integrationsförderung zu berücksichtigen.
Integrationsprogramme des Landes sind gerade neu gestrickt worden, Neuland wurde betreten.
Bei weitergehendem Interesse kann man sich gern über den m. E. erfolgreichen Ansatz „Integrationsagenturen für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“ unter folgendem Link informieren:
www.mgffi.nrw.de/integration/foerderbereiche/Integrationsagenturen/index.php
Es soll natürlich keinesfalls von mir verkannt und in Abrede gestellt werden, dass weiterhin viel, auch sehr viel mehr zu tun, zu verändern ist.
Aber ich glaube, dass das Bild bunter, die Integrationsdebatte vielfältiger, die Integrationsförderung sich an etlichen Stellen schon bedarfs- und bedürfnisorientierter darstellt als es in der vorliegenden Analyse zum Ausdruck kommt. Und ich glaube, dass eine differenziertere Darstellung der weiteren Debatte darüber, was die Gesellschaft zusammen hält sehr nützlich.
Insofern wünsche ich mir Zuspruch und Widerspruch zu meinen Ansichten und Behauptungen!
Einräumen möchte ich am Schluss noch, dass in der langfassung der Analyse natürlich einiges differenzierter dargestellt wird. Aber auf all denjenigen, die nur eine Zusammenfassung statt 16 Seiten Langfassung lesen, sollen diese Überlegungen zielen und dazu anregen, die Zusammenfassung ggf. zu überarbeiten!
Erstellt von: Reinhard Streibel am 18.12.2008 15:48
Antwort
Was denn Integration ist, wer wann als integriert definiert werden kann, löst eine heftige Diskussion aus, die im Wesentlichen bereits seit Jahrzehnten zwischen den Begriffen Assimilation als totale Anpassung unter Aufgabe der eigenen kulturellen Identität und dem gleichberechtigten Leben in Deutschland unter Wahrung der eigenen kulturellen Identität pendelt. Die Basisqualifikation, darüber entstand zwischenzeitlich Konsens, stellen deutsche Sprachkenntnisse und die Akzeptanz des Grundgesetzes als wesentliche Grundlagen für ein positiv gestaltetes Zusammenleben dar. Daraus lässt sich ableiten, dass wir - neben der Forderung nach Spracherwerb – auch die Vermittlung von Wertvorstellungen, die sich aus dem Grundgesetz ableiten lassen, einfordern müssen. 600 Stunden Sprachkurs reichen bei Neuzuwanderern nicht für ausreichenden Spracherwerb. Aber dass 30 Stunden Orientierungskurs ausreichen sollen zur Vermittlung unseres Wertesystems, erscheint in diesem Sachzusammenhang sehr unverständlich. Mehr ...
... Natürlich lässt sich gleichzeitig auch die Frage stellen: Benötigen nur Migranten Unterstützung bei der Vermittlung von gesellschaftlichen Grundwerten? Oder stellt dies eine allgemeine Aufgabe der Jugendsozialarbeit bzw. der Jugendberufshilfe dar? Oder reicht die bloße Integration in den Arbeitsmarkt als Ziel?
Integration beinhaltet nach meinem Verständnis die gleichberechtigte Teilhabe an allen gesellschaftlichen Chancen und Risiken. Zurzeit befinden wir uns aber noch in der Situation, dass das Risiko, keinen Ausbildungs- und später Arbeitsplatz zu finden, bei Migranten überwiegt. Von sozialer Gerechtigkeit im Sinne von Chancengleichheit kann daher keine Rede sein.
Somit haben wir auch nur das gemeinsam zu erreichende Ziel der Integration definiert und die dafür notwendige Basisqualifikation, nämlich den Spracherwerb und die Akzeptanz der Grundrechte beschrieben. Natürlich wird es Integrationsverweigerer geben, die nicht daran interessiert sind, Migranten die gleichberechtigte Teilhabe an allen gesellschaftlichen Chancen zu ermöglichen oder auch andere, die unserem Grundgesetz andere Wertvorstellungen überordnen wollen. Integration von Menschen in der jetzt deutlich werdenden Größenordnung wird nicht ohne wechselseitige Beeinflussung von Aufnahmegesellschaft und Zuwandergruppe vonstatten gehen. Migranten verändern nicht nur äußerlich das Stadtbild, sondern es wird auch teilweise gemeinsame neue gesellschaftliche Orientierungspunkte geben. Ob die deutsche Staatsbürgerschaft das Ende oder der Beginn der gleichberechtigten Teilhabe (der Integration) darstellt, wird noch zu weiteren intensiven gesellschaftlichen Diskussionen führen.
Es gehört ja heutzutage schon ein gehöriges Maß an Fatatalismus dazu, mit der Zeitung zum Frühstück den Tag zu beginnen. Aber da blieb mir dann doch der Bissen im Halse stecken. Unscheinbare 8 x 5 cm groß, mit einem oft gesehenen Symphatiephoto, am Freitagmorgen in der SüdWestPresse und dazu die Nachricht:„ Der hochrangige Regierungsberater und Rentenexperte Bert Rürup wechselt zum Finanzvertrieb AWD“.
AWD, haben wir doch schon oft gehört und AWD-Chef Carsten Marschmeyer sitzt als junger erfolgreicher Finanzexperte und Selfmademillionär in jedem zweiten Finanztalk. Leider ist dabei nie zur Sprache gekommen, was Marschmeyer 2005 auf der Hauptversammlung in Hannover seinen Aktionären verkündete: „Die Altersvorsorge steht vor dem größtem Boom, den die Branche je erlebt hat. Die Verlagerung von der staatlichen zur privaten Altersvorsorge ist ein Wachstumsmarkt über Jahrzehnte. Man kann zwar nicht überblicken, wie sich der Anstieg der privaten Altersversorgung präzise ausgestalltet. Mehr ...
... Es ist jedoch so, als wenn wir auf einer Ölquelle sitzen. Sie ist angebohrt, sie ist riesig groß und sie wird sprudeln.“
Nun also kommt zusammen was zusammen gehört oder ist es wieder mal der Stuhl, der dem ausscheidenenden Politikprofi warm gehalten wurde? Dürfte ja auch nicht berauschend werden, wenn im Zuge der Finanzkrise in den kommenden Monaten alte Ratschläge und Entscheidungen auf Sachverstand abgeklopft werden. Rechtzeitige Flucht aus dem Poltikzirkus bevor bevor diese Bohrlöcher aufdeckt werden, würde ich den Wechsel nennen - ein Schelm, wer arges dabei denkt!
Erstellt von: Rolf Kuntz am 23.11.2008 10:10
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Ehrlich gesagt, bin ich seit einem Radio-Kommentar zu dem Amoklauf von Emsdetten mit der Idee der Zugehörigkeit "schwanger" gegangen. Ich arbeite beim Bundesverband der Lebenshilfe in Marburg und habe mir diesen Beitrag " von der Seele geschrieben".
Haben Menschen mit geistiger Behinderung heute ein Gefühl der sozialen Zugehörigkeit? Können sie ein solches Gefühl entwickeln in einer Gesellschaft der Konkurrenz und Selektion? Es setzt Vertrauen in soziale Beziehungen und ihre Verlässlichkeit voraus. Wenn ein Mensch mehrfach Beziehungsabbrüche und Ausgrenzung im privaten ( Familie und Freunde) wie im öffentlichen Bereich ( Kindergarten und Schule, Nachbarschaft) erlebt hat, wird er kaum ein Gefühl der Zugehörigkeit entwickeln können.
Wie schlagen sich mögliche Erfahrungen der Ausgrenzung nieder? Ich erinnere mich gut an meine Grundschulzeit, als ein Klassenkamerad verabschiedet wurde in die damals so genannte „Lernbehindertenschule“. Es war eine peinliche Atmosphäre. Mehr ...
... Die Lehrerin bemühte sich um verständnisvolle und tröstende Worte. Sie konnten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Klassenkamerad gescheitert war und er sich schämte, wie auch die anderen Kinder und die Lehrerin. Gescheitert jedoch war auch die Pädagogik, denn ihre Aufgabe ist es definitionsgemäß, alle Kinder in ihrem Verantwortungsbereich (eine Grundschule für den Stadtteil) zu fördern. Selektion hat mit Pädagogik rein gar nichts zu tun. Es ist zu hoffen, dass der Junge in Folge soziale Netzwerke gefunden hat, die ihm Halt gaben und das Gefühl von Zugehörigkeit- so wichtig für eine gesunde und vertrauensvolle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.
Wenn es gelänge, Inklusion in der Schule- also eine Schule für alle Kinder- mit individualisierten Curricula zu realisieren, so müssten Schüler keine Angst mehr haben, dass sie sitzenbleiben oder auf die nächst „niedrigere“ Schulform verwiesen würden bis hin zur „Förderschule Geistige Entwicklung“. Das finnische Schulsystem, ausgewiesen als wenig selektiv, formuliert Ziele wie: „Kein Kind wird zurück gelassen! Kein Kind wird beschämt!“ Viele praktische Beispiele schulischer Inklusion können überzeugen. Dies wird zum Beispiel aktuell belegt durch die Mitgliederzeitschrift der Lebenshilfe Wien „Mitmachen“ 2 und 3/08. Zu den Themen Inklusion (2/08) und Integration (3/08) werden sowohl theoretische Texte als auch erfolgreiche praktische Beispiele anschaulich gebündelt. Wenn die Rahmenbedingungen in der Schule stimmen, ist erfahrbar, dass Kinder und Jugendliche nicht an einer Behinderung „leiden“ müssen. Inklusion geht davon aus, dass die Gesellschaft aus den verschiedensten Menschen besteht, Heterogenität also der Normalfall ist. In inklusiven Klassen ist das Thema Behinderung nur eines, was die zwei Klassenlehrer herausfordert. Man kann sich geschlechtlich, sozial, ethnisch, vom Alter, der Nation oder körperlicher Verfassung und Intelligenz voneinander unterscheiden. Kinder in inklusiven Schulen schätzen diese Heterogenität in der Regel positiv: ein unverzichtbarer Lernerfolg, ist doch Toleranz und gewollte Heterogenität eine Voraussetzung gelingender Inklusion auch im Erwachsenenalter. Angeordnet und/oder politisch „dekretiert“ kann Inklusion nicht gelingen. Aus diesem Grund sind auch inklusive Angebote im Kindesalter so wichtig!
Die Zielsetzungen der finnischen Schulen implizieren, dass Selektionsprozesse beschämend sind für Kinder und Jugendliche. In einem selektiven Schulsystem wird Zugehörigkeit nur so lange zugestanden, wie Bewährung gelingt. Scheitern kann so beschämend wirken, dass Resignation, Apathie und Gewalt entstehen. „Das einzige, was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe, war, dass ich ein Verlierer bin“, dies schrieb der Amokläufer von Emsdetten in einem Abschiedsbrief auf seiner Homepage. Am 20 November 2006 hatte der ehemalige Schüler der Geschwister- Scholl- Realschule 5 Personen durch Schüsse verletzt und danach sich selbst getötet. Während seiner Schulzeit musste Bastian B. zwei Klassen wiederholen, er hatte soziale Probleme und wurde von Mitschülern gemobbt. (Spiegel online, 20.11.2006).
Nun wird nicht jeder Schüler, der Probleme hat und Klassen wiederholen muss, zum Amokläufer. Natürlich trägt der Schüler Verantwortung für seine Tat. Dringend müssen jedoch auch die Begründungszusammenhänge der Tat geklärt werden, damit Wiederholungen ausgeschlossen werden können und Prophylaxen greifen können. Selektion scheint eine nicht unwesentliche Rolle gespielt zu haben.
Wie viel besser kann eine inklusive Schule einem jungen Menschen - auch wenn er gravierende Probleme hat- vermitteln: „du gehörst selbstverständlich zu uns; wir stehen zu dir, auch wenn wir streiten; wir achten dich in deiner Eigenart“? Diese Schule wird allen Kindern und Jugendlichen ein Gefühl der Zugehörigkeit vermitteln - eine neue Qualität in einem nicht-selektiven Bildungssystem und möglicherweise eine überzeugende Form der Gewaltprophylaxe.
Gez. Ulrich Niehoff
Erstellt von: Ulrich Niehoff am 08.09.2008 09:01
Antwort
Behindertenhilfe und Psychiatrie sind wie kaum ein anderer Bereich von sozial-politischen Änderungen gekennzeichnet. Die Sozialpolitik für behinderte Menschen und psychisch Kranke steht vor einem grundlegenden Wandel - von der Fürsorge zur Selbstbestimmung und Teilhabe.
Dies ist der Weg, den wir als AWO mit unseren Angeboten konsequent umsetzen und gesellschaftlich mittragen wollen. Wir als AWO möchten auf eine Zukunft mit einer sozial gerechten Infrastruktur von Bildung, Beschäftigung, Wohnen und gleichberechtigter Mitwirkung. In unserem Leitbild und unserer täglichen Arbeit setzen wir uns für die Anerkennung der Rechte behinderter Menschen in der Gesellschaft ein, unterstützen ihre Selbstbestimmung und bekämpfen ihre noch vorhandene Diskriminierung.
Teilhabe ist für die AWO unmittelbare Beteiligung bei Prozessen und Entscheidungen in allen Lebensbereichen, von denen behinderte Menschen betroffen sind. Mehr ...
... Teilhabe ist für uns ein systematischer Prozess, indem demokratische und politische Teilhabe gesichert werden und behinderte Menschen die Kontrolle über die angebotenen Dienstleistungen erhalten.
Geschäftsführer der AWO Bezirksverband Braunschweig e.V.